Iris Strasser
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WORTE DER KRAFT

Hier möchte ich Texte vorstellen, die mich in meinem Leben stark beeindruckt haben,
meine „Lebensphilosophie“ spiegeln und die ich für außerordentlich k r a f t v o l l halte.
Sie haben die Fähigkeit, uns augenblicklich in andere SEINS zustände zu katapultieren,
das W i s s e n in uns wachzukitzeln.
Daher möchte ich sie gerne mit Euch teilen.

In bestimmten Zeitabständen tausche ich die Texte gegen neue aus.

Aus „Der mögliche Mensch“ von Jean Houston,
Ihr Erlebnis als 6-jährige:


„...Erschöpft und ohne zu denken setzte ich mich auf das Fensterbrett und sah hinaus
auf den Feigenbaum im Hinterhof. Und als ich da so schläfrig und unkonzentriert saß,
muss ich in meiner Naivität etwas richtig gemacht haben, denn plötzlich drehte sich
der Schlüssel herum, und die Tür zum Universum sprang auf. Ich sah und hörte nichts
Außergewöhnliches.Es gab keine Visionen, keine Lichtausbrüche.
Die Welt blieb dieselbe. Und doch gewann alles um mich herum, ich eingeschlossen,
an Bedeutung. Alles – der Feigenbaum im Hof, die Hunde im Wandschrank, der Wand-
tresor, das Flugzeug am Himmel, der Himmel selbst und sogar meine Vorstellung von
der Jungfrau Maria – wurde Teil einer einzigartigen Einheit, ein herrlicher sinfonischer
Widerhall, in dem jeder Teil des Universums ein Teil davon war und alle anderen Teile
erleuchtete. Und ich wusste, daß irgendwie alles zusammenspielte und sehr, sehr gut war.
Alle Klappen fielen von meinem Geist. Ich war nicht mehr bloß das kleine örtlich
begrenzte „Ich“, die sechsjährige Jean Houston, die in den vierziger Jahren in Brooklyn
auf einem Fensterbrett saß. Ich war zu einem Bewusstsein erwacht, das Jahrhunderte
umfasste und stand mit dem Universum auf vertrautem Fuß. Alles war von Bedeutung.
Nichts war fremd oder belanglos oder fern. Der entfernteste Stern war gleich nebenan,
und das dunkelste Geheimnis war klar erkennbar. Es schien mir, als ob ich alles wusste.
Es schien mir, als ob ich alles war. Alles – der Feigenbaum, die Hundebabies im Wand-
schrank, die Planeten, Joey Mangiabellas Rippen, der Geist Gottes, Linda Darnell,
die abgeblätterte Farbe an der Decke, die Jungfrau Maria, meine Mary-Jane-Schuhe,
Galaxien, Bleistiftstummel, der Regenwald am Amazonas und alles, was an Musik je
existiert hatte – befand sich in einem Resonanzabtausch und war auf unermesslichste
und höchst ekstatische Weise miteinander verbunden. Ich befand mich in einem
Universum der Freundschaft und des Zugehörigkeitsgefühls. Es war ein geselliges
Universum, erfüllt mit verflochtener Gegenwart und dem Tanz des Lebens. Irgendwo
unten im Haus lachte gerade mein Vater, und augenblicklich stimmte das ganze
Universum ein. Lautes, fröhliches Gelächter ertönte von Sonne zu Sonne. Feldmäuse
kicherten, und mit ihnen die Götter und die Regenbogen. Lachen durchdrang jedes
Atom und jeden Stern, bis ich ein Universum erblickte, das sich vor Freude wand...“